Frontend-Entwicklã*

Keine Zeit für ein neues EFZ?

September 2020. Nach 2,5 Jahren Vielschreiberei, Netzwerkerei und Ausharrerei habe ich mein Bestreben eingestellt, in der Schweiz das Berufsbild Frontend-Entwicklã mit einem Eidgenössischen Fähigkeits­zeugnis zu unterlegen, damit Jugendliche einen Beruf lernen können, nach welchem der Arbeitsmarkt schreit.

Was war die Idee? Es gibt am Markt einen steigenden Mangel an Fachkräften im Bereich Frontend-Entwicklung bzw. Frontend-Development. Ganz spezifisch fehlt es an solchen, welche a) die Gestaltungs­kompetenzen haben, um zu wissen wovon Design und User Experience reden, um zu verstehen, warum etwas genau so aussehen muss, wie es gestaltet wurde, die Gestaltungs­alternativen und -weiter­entwicklungen liefern können, ohne dass sich besagten Kolleginnen und Kollegen das Nackenhaar sträubt und b) solche, deren Fähigkeiten ebenso weit ins Backend reichen. Diese Lücke wollten wir stopfen.

Wieso klappt das nicht? Ganz grob: Sogenannte Organisationen der Arbeitswelt (OdA) – meist sind das Berufsverbände – sind für die hiesigen Berufsbilder zuständig. Diese Verbände haben jeweils einen oder mehrere Berufe in ihrem Portfolio und werden vom Staats­sekretariat für Bildung und Forschung (SBFI) angehalten, ihre Berufe alle 5 Jahre zu revidieren. Das Feld Frontend hat nun Schnittmengen mit vier(!) Verbänden. Davon sind allerdings zwei sehr klein und auch von Anfang an nicht zu begeistern gewesen. Der Grund warum es nun zu keinem EFZ Frontend-Entwicklã kommt, ist folgender: Der eine Verband hat keine Ressourcen und der andere hat bei einer Analyse in seinem Dunstkreis herausgefunden, dass der Bedarf gar nicht da ist. Das ist ein wenig so, als würde ich meine 4-Jährige fragen, ob ihre älterer Bruder noch genug saubere Unterbuxen in der Schublade hat. Ich weiss nicht so recht, ob sie das a) genug interessiert und b) überhaupt beurteilen kann. – Das war’s? – Ja, das war’s.

Was nun? Für ein EFZ braucht es eine OdA. Punkt. Das ergibt drei Optionen: Es später nochmals auf gleichem Weg probieren? Okay, dann feierten wir in 10 Jahren den Start mit den ersten Lernenden. Eine neue Oda gründen? Da müsste jemand mit mehr Ressourcen ran. Es sein lassen? …

Danke! Auf dem zähen Weg hatte ich einige Begleitungen, ohne die ich vollends am Berg gestanden hätte. Da waren zuerst einmal René Theiler (VSD), welcher mich von Anfang an vor allem fachlich unterstützt hat. Stefan Huber und Erdem Celikten, beide total vom Fach und in der Ausbildung tätig, bildeten mein Rückgrat während der ganzen Zeit. Patrick Forrer (Abteilungsleitã Schule für Gestaltung St.Gallen), Jonas Schudel (Abteilungsleitã Schule für Gestaltung Zürich) und Beat Kneubühler (Vizedirektã viscom und Geschäftsführã SIMD) lieferten angeregten Austausch. Und ich danke allen Firmen, die das Projekt ideell unterstützten und Ihre Namen dafür hergaben: